Diabetes mellitus

Was genau ist eigentlich Diabetes? Wie entsteht die so gennannte „Zuckerkrankheit“ und wann wird von einem Typ 1 und wann von einem Typ 2 gesprochen? Wie erkenne ich, dass ich meinen Blutzucker überprüfen lassen sollte und wie kann eine Erkrankung behandelt werden? Wir haben alles Wissenswerte komprimiert für dich zusammengefasst, damit du sämtliche Informationen für den Umgang mit der Krankheit zur Hand hast und ein Verständnis dafür, wie Ernährung in diesem Fall überhaupt wirken kann, leichter fällt.

Was ist Diabetes?

Diabetes mellitus ist der Überbegriff für verschiedene Stoffwechselkrankheiten, die durch einen krankhaft erhöhten Blutzuckerspiegel, eine sogenannte Hyperglykämie, charakterisiert werden. Grund dafür ist eine gestörte Produktion oder Aufnahme des Hormons Insulin, das für eine Senkung der Blutglukose, also dem Zuckergehalt im Blut, verantwortlich ist, indem es dafür sorgt, dass die Glukose in die Zellen aufgenommen wird.
Im Normalfall wird Insulin in der Bauchspeicheldrüse gebildet und ausgeschüttet. Es ist für die Regulierung des Blutzuckerspiegels zwingend erforderlich und wird bei gesunden Menschen vom Körper automatisch in der optimalen Menge dosiert. Durch verschiedene Gründe kann eine solche Regulation allerdings beeinträchtigt werden. Es wird den Ursachen ent-sprechend im Regelfall zwischen Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 unterschieden, die wir euch beide im Folgenden näher erklären möchten.

Welche Ursachen hat Diabetes?

Diabetes mellitus Typ 1 entsteht meistens bereits im frühen Kindesalter, kann aber im Verlauf des gesamten Lebens auftreten. Dieser Typ wird jedoch nur bei 5 - 10 % der Betroffenen diagnostiziert. Bei dieser Erkrankung kommt es zu einer immunologisch erzeugten Zerstö-rung der insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse, den Betazellen, was zu einer gestörten Insulinausschüttung führt. Typ 1 Diabetes ist also eine Autoimmunkrankheit, die unabhängig vom Lebensstil entstehen kann.
Anders verhält es sich beim Diabetes mellitus Typ 2. Hierbei handelt es sich um eine so genannte Insulinresistenz. Das Insulin wird hierbei zwar zunächst problemlos produziert und ausgeschüttet, jedoch von den Zellen nicht richtig aufgenommen. Selbst wenn genügend Insulin vorhanden ist, kann der nahrungsbedingte Blutzuckerspiegel nicht gesenkt werden. Der Körper versucht daraufhin immer mehr Insulin herzustellen, um das Ungleichgewicht auszugleichen, was die Sensitivität der Körperzellen jedoch weiter schwächt und zudem langfristig zu einer Schädigung der Betazellen führen kann.
Typ 2 Diabetes tritt zunehmend im höheren Alter auf und geht als Folge eines ungesunden Lebensstils häufig mit einer Adipositas einher. Auch genetische Ursachen können für eine Erkrankung verantwortlich sein.

Symptome

Eine Hyperglykämie geht häufig mit einem Gewichtsverlust einher. Betroffene berichten außerdem über vermehrten Durst (Polydipsie), einen verstärkten Harndrang (Polyurie) und eine verschwommene Sicht, Schwindel und Übelkeit. Es kann zu einer anhaltenden Müdigkeit, trockener Haut, verschlechterter Wundheilung und einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen kommen.
Ein Symptom, das ausschließlich beim Diabetes Typ 1 auftreten kann, ist ein unangenehm süßlicher Geruch im Atem, ähnlich wie der von überreifem Obst. Im Falle eines starken Insulinmangels gelangt nicht genügend Zucker in die Zellen, sodass der Körper beginnt Fettzellen abzubauen, um diese als alternative Energiequelle zu verwenden. Bei diesem Vorgang, der Ketoazidose, entsteht unter anderem Azeton, das für den Geruch verantwortlich ist. Insgesamt kommen wahrnehmbare Symptome beim Typ 1 häufiger vor als beim Typ 2.
Für einen besseren Überblick sind hier alle Symptome noch einmal zusammengefasst:
  • Gewichtsverlust
  • Vermehrter Durst
  • Verstärkter Harndrang
  • Verschwommene Sicht
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Müdigkeit
  • Trockene Haut
  • Verschlechterte Wundheilung
  • Azetongeruch im Atem (nur Diabetes Typ 1)

Diagnose

Die Diagnose von Diabetes erfolgt im Regelfall über einen oralen Glukosetoleranztest (oGTT). Dabei wird zunächst der Nüchternglukosewert gemessen, also der Blutzuckerspiegel vor einer Nahrungsaufnahme. Daraufhin trinkt der Patient oder die Patientin eine hochkonzentrierte Zuckerlösung, deren Auswirkung mit einer weiteren Blutzuckermessung zwei Stunden später überprüft wird. Ein Abgleich mit festgelegten Grenzwerten schafft hierbei die Grundlage der Diagnose.
Für eine Bewertung des Blutzuckerspiegels über einen längeren Zeitraum wird mithilfe einer Blutprobe der so genannte HbA1c-Wert, das Zuckerhämoglobin, bestimmt. Dieser Wert gibt Aufschluss über die Zuckerregulierung der vergangenen drei Monate und eignet sich neben der Diagnose der Krankheit auch als Kontrolle des Behandlungsverlaufs.

Behandlung

Bei einer Diabetes Typ 1 Erkrankung ist eine Behandlung mit Insulin meistens unumgänglich. Nach einer ausführlichen Einweisung bei einem Arzt oder einer Ärztin oder einem Diabetesberater oder einer Diabetesberaterin wird der Umgang mit der inzwischen sehr handlichen Insulinspritze geübt und lässt sich im Laufe der Zeit immer leichter in den Alltag integrieren.
Ein Typ 2 Diabetes kann auch mit Insulininjektionen behandelt werden, was allerdings wesentlich seltener notwendig ist. Blutzuckersenkende Medikamente wie Metformin werden häufig zunächst verschrieben, um zu sehen, ob diese Behandlung bereits ausreichend ist.
Effektiver ist bei einer Typ 2 Diagnose jedoch oft eine Veränderung des Lebensstils. Es besteht in einigen Fällen sogar die Möglichkeit über diesen Weg die Insulinresistenz rückgängig zu machen. Bei einem Übergewicht sollte zum Beispiel unbedingt eine Gewichtsabnahme angestrebt werden, damit vor allem das viszerale Fettgewebe reduziert wird. Bewegung steigert die Insulinsensitivität der Muskeln und lässt so über einen natürlichen Weg den Blutzuckerspiegel sinken. Vor allem aber spielt die Ernährung hier eine entscheidende Rolle, nicht nur bei der Gewichtsabnahme.

Ernährung

Der sogenannte Glykämische Index gibt Aufschluss darüber, wie stark bzw. schnell ein Lebensmittel den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Er ist also das Maß der Dinge, wenn es um die Ernährung bei einer Diabetes Erkrankung geht. Um das Rechnen zu erleichtern, wurden kohlenhydratreiche Nahrungsmittel mit sogenannten „Broteinheiten“ versehen. Eine Brot-einheit (BE) entspricht dabei etwa 10-12 g Kohlenhydraten. Sowohl bei der Prävention als auch bei der Behandlung von Diabetes ist es also ratsam so wenig BE wie möglich aufzunehmen und diese über viele kleinere Mahlzeiten zu verteilen.
Eine hohe Ballaststoffaufnahme sowie einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren haben darüber hinaus einen positiven Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Verzichtet werden sollte auf Süßigkeiten, Weißmehl, süße Getränke wie Limonade und Fruchtsaft und einige Obstsor-ten. Gut geeignet sind hingegen Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Gemüse, Nüsse, Fisch, mageres Fleisch, hochwertige Öle und Beeren. Mehr Details zur optimalen Ernährung bei Diabetes findest du hier.

Quellen

  • Harreiter, J., & Roden, M. (2019). Diabetes mellitus – Definition, Klassifikation, Diagnose, Screening und Prävention (Update 2019). Wiener klinische Wochenschrift, 131(S1), 6–15.
  • Biesalski, H.K., Pirlich, M., Bischoff, S.C., Weimann, A. (2017). Ernährungsmedizin. 5. Überarbeitete und erweiterte Auflage. Georg Thieme Verlag. Stuttgart.
  • Kasper, H., Burghardt, W. (2014). Ernährungsmedizin und Diätetik. 12. Auflage. Urban und Fischer in Elsevier